Ein Growzelt ist für 3D-gedruckte Teile ein anspruchsvoller Ort. Die Luftfeuchtigkeit liegt oft bei 50 bis 70 Prozent, die Temperatur unter der Lampe steigt schnell über 30 °C, und das Licht läuft 12 bis 18 Stunden am Tag. Dazu kommen Wasser, Dünger und ständige Handgriffe beim Gießen und Trainieren.
Nicht jedes Filament steckt das auf Dauer weg. In diesem Artikel vergleichen wir die drei gängigsten Materialien, PLA, PETG und ASA, und zeigen dir, welches Filament für welches Bauteil in deinem Grow die richtige Wahl ist. Und wir verraten, warum wir bei HEX-GROW fast alles aus PETG drucken.
Die drei Belastungen im Growzelt
Bevor wir die Materialien vergleichen, lohnt sich ein kurzer Blick darauf, was deine Drucke im Zelt eigentlich aushalten müssen:
Feuchtigkeit: Hohe Luftfeuchte, Spritzwasser und Kontakt mit Nährlösung. Manche Kunststoffe nehmen Wasser auf und verlieren mit der Zeit an Festigkeit.
Wärme: Die Umgebungstemperatur im Zelt ist meist unkritisch, und auch die Abluft ist nur wenige Grad wärmer als die Zeltluft. Heiß wird es vor allem direkt an der Lampe: Kühlkörper und Treiber von LED-Leuchten können deutlich über 50 °C warm werden. Teile aus dem falschen Material werden dort weich und verformen sich.
Licht und UV: Moderne Grow-LEDs strahlen nur wenig UV ab, manche Vollspektrum-Lampen und zusätzliche UV-Module aber schon. Über Monate macht das empfindliche Kunststoffe spröde und lässt sie vergilben.
PLA: Günstig und einfach, aber empfindlich
PLA ist das Einsteigerfilament schlechthin. Es druckt sich fast von allein, verzieht sich kaum und riecht nicht.
Im Growzelt hat PLA allerdings klare Schwächen:
- Geringe Wärmebeständigkeit. PLA beginnt bereits ab etwa 55 bis 60 °C weich zu werden. In der Nähe der Lampe verformen sich Teile schnell.
- Kriechen unter Last. Schon bei normalen Zelttemperaturen gibt PLA unter dauerhafter Spannung langsam nach. Ein Clip, der am ersten Tag fest sitzt, kann nach ein paar Wochen ausgeleiert sein.
- Feuchtigkeit und UV. PLA nimmt Feuchtigkeit auf und wird unter Lichteinfluss mit der Zeit spröde.
- „Biologisch abbaubar“ ist kein Vorteil. PLA zersetzt sich nur unter industriellen Kompostbedingungen. Im Zelt verrottet es nicht, altert aber trotzdem schneller als andere Materialien.
Wofür PLA taugt: Prototypen und Testdrucke, Schablonen, Beschriftungsschilder und alles, was außerhalb des Zelts oder fern von Wärme und Last bleibt.
PETG: Der Allrounder für die meisten Grow-Teile
PETG ist für die meisten Grower das Material der Wahl, und das aus gutem Grund.
Stärken im Growzelt:
- Kaum Wasseraufnahme. PETG verträgt dauerhaft hohe Luftfeuchte und direkten Wasserkontakt.
- Chemisch robust. Dünger, Nährlösungen und pH-Regulatoren greifen PETG praktisch nicht an.
- Wärmebeständiger als PLA. Die Erweichungstemperatur liegt bei etwa 75 bis 80 °C. Für Zeltluft, Abluft und Lüftungsteile reicht das mit viel Reserve.
- Für Indoor gut UV-beständig. Unter Grow-LEDs bleibt PETG über viele Durchgänge stabil und deutlich länger zäh als PLA.
- Zäh statt spröde. PETG biegt sich eher, als dass es bricht. Ideal für Clips und Klemmen, die immer wieder geöffnet werden.
Grenzen:
- Bei dauerhafter direkter Sonne im Außenbereich kann PETG über lange Zeit vergilben. Dort ist ASA die robustere Wahl.
- Direkt am Kühlkörper einer starken Lampe wird es auch für PETG knapp.
- Beim Selberdrucken zieht es gern Fäden und haftet sehr stark am Druckbett (bei glatten PEI-Platten ein Trennmittel verwenden).
Wofür PETG taugt: LST-Clips, SCROG-Netze, Drain Trays und Untersetzer, Bewässerungsteile, Kabelclips, Lichtfallen, Lüfteradapter, Filterhalterungen und fast alles andere im Zelt.
ASA: Der Spezialist für Hitze und Sonne
ASA ist eng verwandt mit ABS, wurde aber speziell für den Außeneinsatz entwickelt. Es ist UV-stabil und hält auch hohen Temperaturen stand.
Stärken:
- Sehr hohe Wärmebeständigkeit. Mit einer Erweichungstemperatur um 95 bis 100 °C ist ASA das richtige Material für Teile, die direkt an der Lampe sitzen.
- Maximal UV-beständig. ASA vergilbt kaum, selbst bei dauerhafter Sonne. Perfekt für den Grow auf Balkon oder Terrasse.
- Feuchtigkeitsresistent und formstabil.
Schwächen:
- Anspruchsvoll zu drucken. ASA neigt zum Verziehen (Warping) und braucht ein beheiztes Bett, am besten einen geschlossenen Bauraum.
- Dämpfe beim Drucken. ASA setzt beim Drucken Styrol und andere Emissionen frei. Drucke es nur in gut belüfteten Räumen oder mit Absaugung.
- Etwas teurer als PLA und PETG und für die meisten Teile im Zelt schlicht überdimensioniert.
Wofür ASA taugt: Lampenhalterungen und Abstandshalter direkt an der Leuchte sowie Teile für den Outdoor-Grow.
Der direkte Vergleich
| Eigenschaft | PLA | PETG | ASA |
|---|---|---|---|
| Wärmebeständigkeit | ca. 55–60 °C | ca. 75–80 °C | ca. 95–100 °C |
| Feuchtigkeit | mittel | sehr gut | sehr gut |
| UV-Beständigkeit | schwach | gut (indoor) | sehr gut (auch outdoor) |
| Chemikalien / Dünger | mittel | sehr gut | gut |
| Zähigkeit / Bruchverhalten | spröde | zäh, flexibel | zäh |
| Druckbarkeit | sehr einfach | einfach | anspruchsvoll |
| Emissionen beim Druck | gering | gering | deutlich, Belüftung nötig |
| Empfehlung fürs Zelt | nur außerhalb | Standardwahl | direkt an der Lampe, Outdoor |
Welches Filament für welches Bauteil?
- LST-Clips und Trainingshaken: PETG. Es ist flexibel genug, um die Triebe nicht zu quetschen, und bricht nicht beim Öffnen. Genau deshalb sind unsere LST-Clips aus PETG.
- SCROG-Netze und Pflanzenstützen: PETG. Das Netz hängt direkt im Licht und trägt über Wochen das Gewicht der Triebe, ohne auszuleiern. Siehe unser SCROG Netz Set 120x60 und das Set für 90x90-Zelte.
- Untersetzer, Drain Trays und Bewässerung: PETG. Dauerhafter Kontakt mit Wasser und Nährlösung ist für PETG kein Problem. Beispiele sind unsere Drain Trays 24x24, die passenden Erhöhungsfüße und die Bewässerungsringe.
- Kabel- und Seilmanagement: PETG. Die Clips sitzen stramm auf den Zeltstangen und halten dauerhaft, zum Beispiel unsere Kabelhalter, Schnurwickler und Zeltstangen-Spreizer.
- Lüftung, Lichtfallen und Filterhalterungen: PETG. Die Abluft ist nur wenige Grad wärmer als die Zeltluft und bleibt weit unter der Grenze von PETG. Passend dazu gibt es unsere Lichtfalle, den Reduzierstück-Adapter 150 auf 125/100 mm und die Aktivkohlefilter-Halterung.
- Halterungen direkt am Lampenkörper: ASA.
- Outdoor und Balkon in praller Sonne: ASA.
Praxistipps für langlebige Drucke im Grow
Mehr Wände statt mehr Infill. Drei bis vier Außenwände machen Teile deutlich stabiler und dichter gegen Wasser als ein höherer Füllgrad.
Wasserdicht drucken. Für Schalen oder Wasserbehälter die Drucktemperatur leicht erhöhen, die Extrusionsbreite etwas vergrößern und genug Wände einplanen. Eine Garantie für absolute Dichtheit gibt es bei FDM-Drucken nicht, also vorher mit Wasser testen.
Auf die Farbe achten. Helle und transparente Filamente lassen Licht durch. Bei Wurzelbereichen und allem, was Nährlösung enthält, führt das zu Algenbildung, und bei Lichtfallen zu Lichtlecks. Hier immer undurchsichtiges Schwarz wählen. Darum drucken wir alle HEX-GROW Teile in Schwarz.
Filament trocken lagern. Fertige Teile aus PETG und ASA nehmen kaum Wasser auf, feuchtes Filament druckt sich aber schlecht (Bläschen, Fäden, schwache Schichthaftung). Rollen luftdicht mit Trockenmittel lagern.
Sauber halten. Die Rillen zwischen den Druckschichten sind ideale Verstecke für Schmutz, Algen und Schimmel. Teile zwischen den Grows gründlich reinigen, zum Beispiel mit verdünntem Wasserstoffperoxid.
Sicherheit geht vor
- Keine tragenden Teile unter der Lampe aus PLA. Wenn eine Halterung weich wird, fällt im schlimmsten Fall die Leuchte auf die Pflanzen.
- Keine Brandschutzfunktion. Standard-Filamente sind nicht flammhemmend. Gedruckte Teile gehören nicht direkt an Netzteile, Vorschaltgeräte oder heiße Kontakte.
- Elektrik nicht improvisieren. Gedruckte Kabelhalter sind prima, gedruckte Gehäuse für Netzspannung nicht.
- Lebensmittelkontakt. Auch wenn ein Filament grundsätzlich als lebensmittelecht gilt, sind gedruckte Teile es wegen der Schichtrillen und möglicher Zusätze meist nicht. Für Teile, die mit Erntegut in Kontakt kommen, lieber auf gekaufte Behälter zurückgreifen.
Warum HEX-GROW auf PETG setzt
Wir drucken unser Growzubehör in Münster auf Bestellung, und zwar fast ausschließlich aus schwarzem PETG. Der Grund steht in diesem Artikel: PETG verträgt Feuchtigkeit, Dünger und die Bedingungen im Zelt über viele Grows hinweg, bleibt dabei zäh statt spröde und ist für alles unterhalb der Lampe mehr als ausreichend wärmebeständig.
Du hast selbst einen 3D-Drucker? Dann kannst du dir unser SCROG-System als STL-Bundle holen und selbst drucken. Unsere Empfehlung dafür ist natürlich PETG.
Fazit
Für den Großteil deiner Grow-Helfer ist PETG die beste Wahl: robust, wasserfest, chemisch beständig und trotzdem einfach zu drucken. ASA brauchst du nur für Teile direkt am Lampenkörper oder für den Grow in praller Sonne. PLA bleibt für Prototypen und Teile außerhalb des Zelts.
Im nächsten Artikel zeigen wir dir die zehn nützlichsten 3D-Drucke für dein Growzelt.